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Drehpunkt 123

Die Schweizer Literaturzeitschrift
http://www.dreh-punkt.ch

  drehpunkt 123

drehpunkt 123

Liebe Leserin, lieber Leser,

Schiller? Noch immer? Und noch einmal in diesem verschillerten Jahr? Ja. Denn es gibt Autoren und Texte, die suchen und pflegen Verwandtschaften. Gedichte verweisen auf Gedichte, Prosa nimmt auf Prosa Bezug: Die Literatur kennt viele Geschichten, die auf andere Geschichten reagieren.
Eines der ungewöhnlichsten Beispiele dafür ist Friedrich Schillers Merkwürdiges Beispiel einer weiblichen Rache. Der Text stammt ursprünglich aus Jacques le Fataliste von Denis Diderot. Als Diderot 1784 starb, gelangte eine Abschrift des Romans in den Besitz des Mannheimer Intendanten von Dalberg, der sie an Schiller zur Übersetzung weitergab.

Schiller interessierte sich so sehr für die darin enthaltene Geschichte der Frau von Pommeraye, dass er nur gerade sie übersetzte. Unbekümmert um die komplexe Erzählstruktur von Diderots Roman verschlankte er die Geschichte zudem auf rund zwei Drittel des französischen Originals. Die »Übersetzung« trug schliesslich so deutlich seine Handschrift, dass sie wenige Jahre später ins Französische rückübersetzt wurde.
Soll man, was Schiller mit Diderot tat, nicht auch mit Schiller tun dürfen? Wir legten den Beginn seiner Übersetzung/Eigenkomposition einigen Autorinnen und Autoren in der Erwartung vor, dass diese den Text auf eigene Weise umformten oder weiterschrieben. Aus der Vorlage entstanden eine Reihe origineller, zumeist in engem Bezug zu Schillers Geschichte stehenden Texten, die, angefangen bei der Parodie bis hin zum handfesten Remix, ein buntes Angebot von Spiegelungen und Anspielungen vorführen.
Schiller lebe wie nie zuvor, wurde dieses Jahr behauptet. Tatsächlich ist in unserem Heft nachzulesen, wie leicht der inspirierende Funke seines Werks nach wie vor springt.
Sie finden darin auch neue Texte von Friederike Kretzen, und Katharina Geiser sowie Hinweise auf neu erschienene Bücher von Schweizer Autorinnen und Autoren. Wir danken den Schreibenden für ihre Texte und dem Basler Künstler Thomas Dettwiler für seine Pinselzeichnungen.

Rudolf Bussmann und Martin Zingg

 

   Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis

Liebe Leserinnen, liebe Leser
Martin Zingg: Fisimatenten

Schiller, remixed
Friedrich Schiller: Merkwürdiges Beispiel
Zsuzsanna Gahse: Aktennotiz
Ulf Stolterfoht: fleischiges Beispiel
Jürg Laederach: An Rogers Stelle
Ilma Rakusa: Madame P und Marquis A
Renata Burckhardt: Café Monolog
Urs Allemann: Lieber B***
Christoph Bauer: das hündchen
Lisa Elsässer: heute wie damals
Elisabeth Wandeler-Deck: Etwas wie Nachflimmern
Rudolf Bussmann: Teestunde

Fände er das Wort
Markus Bundi: Gedichte
Friederike Kretzen: Wir sind schon

Besprechungen und Hinweise
Werner Morlang über Sabina Naef
Markus Bundi über Felix Philipp Ingold
Elsbeth Pulver über Hans Boesch
Neuerscheinungen von Schweizer Autorinnen und Autoren
Die Autorinnen und Autoren

Mehr zu dieser Nummer (z.B. Auszüge) ist auf dem website www.dreh-punkt.ch zu finden.

 

Page créée le: 09.12.08
Dernière mise à jour le 09.12.08

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