Sales Kleeb

Lebenslauf

Geb. 23.2.1930 in Richenthal LU, 1945-1950 Besuch des Lehrerseminars des Kantons Luzern in Hitzkirch, 1950-1961 Primarlehrer in Richenthal und Dirigent mehrerer Musikgesellschaften. Ausbildung zum Spielführer und Leiter verschiedener Regimentsspiele. 1959-1962 Studium an der Musikakademie Zürich mit Diplomabschluss. 1962-1987 Leiter des Jugendblasorchesters der Musikschule der Stadt Zug (Kadettenmusik der Stadt Zug), 1967-1993 Leiter und Reorganisator der Musikschule der Stadt Zug. Mitbegründer des «Verbandes Musikschulen Schweiz» VMS, Kursleiter in der Schulleiterausbildung des VMS. Prüfungsexperte am Konservatorium Luzern, Jurytätigkeit im Schweizerischen Blasmusikverband (SBV). Kompositionen für verschiedene Ensembles, 1973 Kompositionspreis der «Union Européenne de Radiodiffusion» für den Konzertmarsch «Transeurope», 1988 Kulturpreis des Kantons Zug, 1990 Stephan-Jaeggi-Preis des Eidgenössischen Musikverbandes.

 

Kompositionen

Eigenverlag

  • Ardeat lucerna : Kleine Seetaler Kantate für Mezzosopran, Männerchor, grosse Orgel und Chororgel
  • Engelreise : Suite für Klavier
  • Gregor-Quintett : für 2 Trompeten, Horn, Posaune, Tuba
  • Valet : für gemischten Chor, Solovioline und Streicher Eigenverlag
  • Via Vitae : Suite für Brass Band

Musikverlag Emil Ruh, Adliswil ZH

Strassenmärsche für Blasmusik

Alpencorps
Brigadier
The Honorary Cadet
Frohes Fest
Heinzenberger Marsch
Heiri-Wipf-Marsch
Johanniter-Marsch
Lilienbanner
Richenthaler Marsch
Rudenzer-Marsch
Tuju-Dixi-Marsch
Zunftmeister Fröhlich (Manuskript)
u.a.

Konzertmärsche für Blasorchester

Altdorfer Tellenmarsch
Festlicher Aufmarsch
Transeurope

übrige Blasmusikwerke

Buretanz
Ländler-Solisten
u.a.

Rythmus-Verlag, Rothenburg LU

Strassenmärsche für Blasmusik

Kadettenmarsch

Konzertmärsche für Blasorchester

Centenary Musikverlag

Tonträger

Die meisten Kompositionen sind auf Tonträgern vorhanden,
die bei Amos, Tonstudio, Zullwil,
Compact Discs, Wasen i.E.,
Kleeb-Wickart, Cham,
Männerchor Hochdorf,
Musikschule der Stadt Zug,
Passamezzo Brass Quintett, Zug, oder
Pro-Music SA, Saint-Maurice, u.a erhältlich sind.

 

Bücher und Fachartikel

  • Von genutzten (und ungenutzten) Mögklichkeiten
    musikalischer Erziehung in der Schweiz
    Beitrag im Taschenkalender des EMV 1968

  • Instrumenten-Ratgeber
    Bezugsort: Musikschule der Stadt Zug

  • Der Musikschulleiter, ein Zehnkämpfer
    (Versuch einer Definition) /1987- Eigenverlag

  • Bläserquintett 1976 von Alexander Tcherepnin,
    Herrn Robert Wiesendanger gewidmet
    Beitrag zur Erinnerungsschrift Robert Wiesendanger /1980

  • Die heutige Struktur der Musikschule der Stadt Zug
    Die instrumentale Besetzung der Kadettenmusik der Stadt Zug
    Beiträge zum Buch von Müller/Raschle
    «Musikschule der Stadt Zug» /1983
    Bezugsort: Musikschule der Stadt Zug

  • Albert Benz, ein Leben für die Blasmusik /1990
    Atlantis Musikbuch / Rythmus-Verlag, Rothenburg LU

  • Zum Tode von Fritz Siegfried, Musikinstruktor, 1917-1993
    Schweizerische Blasmusikzeitung 1993

  • Experten sehen die Stadtmusik Luzern
    Beitrag zum Buch «175 Jahre Stadtmusik Luzern» /1994
    Bezugsort: Stadtmusik Luzern

  • Laudatio zur Ernennung von Josef Frommelt
    zum Ehrenmitglied der SAJM
    SAJM-Zeitschrift, 24. Jahrgang, Juli 1996

  • Dr. Xaver von Moos-Falck - ein Lebensbild
    Würdigung zum Tod des Kunsthistorikers
    Dr. Xaver von Moos /1997 Manuskript

  • Laudatio zum 80. Geburtstag der bekannten Klavierpädagogin
    und Musikerin Cécile Hux /1997 Manuskript

  • Wie Musiker die Stadtmusik «Saltina» sehen!
    Beitrag zum Buch «125 Jahre Stadtmusik Saltina Brig» /1997
    Bezugsort: Stadtmusik Saltina Brig

  • Erinnerungen (oder «Von der Schwierigkeit,
    nachträglich ein Psychogramm zu entwerfen»)
    Beitrag zum Buch von Ernst Lampert
    «Musikinstruktor Fridolin Bünter» /1998
    Verlag Merkur Druck AG, Langenthal

u.v.a.

 

Gedanken zum Sinn und Zweck der Musikerziehung

(Ausschnitt aus dem von Sales Kleeb im Auftrag der 100-Jahrfeier der Musikgesellschaft «Lonza» und der obligatorischen Musiklehrerfortbildung der Allgemeinen Musikschule Oberwallis am 18.9.1998 in Gampel gehaltenen Referat über «Musikerziehung»)

Nicht nur Erziehung zur Musik, sondern Erziehung durch Musik

Mit der musikalischen Ausbildung und mit dem musikalischen Tun werden Eigenschaften geschult wie Präzision, Pünktlichkeit, rhythmische Genauigkeit, tonliche Sauberkeit, Geduld und Selbstbeherrschung. Diese durch die Betätigung in Musik betriebene Willensschulung und die sich hier angeeigneten Eigenschaften übertragen sich aber auch auf andere Tätigkeitsfelder und andere Lebensbereiche. Im gemeinsamen Musizieren lernt man zudem, sich einzuordnen, sich - wenn es die Klangbalance verlangt - auch unterzuordnen. Man lernt, aufeinander zu achten, aufeinander zu hören. Das Zusammenspiel wird so zu einer sozialen Schulung - ja zu einer eigentlichen Lebensschule.

Musikerziehung trägt wesentlich bei zur ganzheitlichen Entfal-tung des jungen Menschen.

Musik und Musikerziehung bringen den notwendigen Ausgleich zur heutigen Ueberbetonung der rationalen Fächer, der rationalen Denkweise, der rationellen Lebensgestaltung, der zweck- und leistungsorientierten Schule. Durch sie werden Gemütswerte betont. Das Defizit an emotionalen Ausdrucksmöglichkeiten wird ausgeglichen. Die visuelle Reizüberflutung, wie sie durch verschiedene Medien und Zivilisationserscheinungen verursacht wird, erhält zudem durch die Musikerziehung das dringend benötigte akustische Gegengewicht

Musikerziehung entwickelt in hohem Masse intellektuelle Fähigkeiten

Wer musiziert, wer intensiv übt, wer ein Notenbild entziffert oder selber Musik zu Papier bringt, lernt denken, abstrahieren, kombinieren, sich konzentrieren. Das Memorieren und das auswendige Vorspielen von Musikstücken ist zudem eine ausgezeichnete Gedächtnisschulung.

Musikerziehung erhöht die Lernfähigkeit

Die moderne Lernpsychologie lehrt, dass akustische Reize eine längerdauernde Gedächtnisspur hinterlassen als visuelle. Die Schulung des Gehörs und des akustischen Unterscheidungsvermögens erhöht darum die Lernfähigkeit. Das haben auch viele Tests in Ungarn, in Deutschland, in Amerika und in neuerer Zeit auch in der Schweiz bewiesen. Musikklassen mit erweitertem Musikunterricht auf Kosten der sogenannten rationalen Hauptfächer zeigten in diesen Hauptfächern nicht schlechtere, sondern eher bessere Resultate. Nur schade, dass die Schulverantwortlichen daraus bezüglich Gestaltung der Schule und der Stundentafel nicht vermehrt die Konsequenzen ziehen!

Musizieren ist gesund!


Musizieren ist nicht nur eine seelische Therapie, sondern auch gesund für den Körper. Wer singt, bläst, auf irgend einem Instrument richtig phrasiert, der atmet besser, der lebt gesünder.

Musikerziehung fördert die Handfertigkeit

Es ist eine Erscheinung der heutigen Zeit, und sie ist vor allem bei Jugendlichen in städtischen Agglomerationen zu beobachten, dass die natürliche Beschäftigung mit Sand, Stein und Holz nicht mehr möglich ist und dass dadurch die Fingerfertigkeit verkümmert. Anstelle dieser elementaren Materialien treten fertige Spielzeuge oder auch Apparate, die mit einem einfachen Tastendruck Scheinwelten öffnen. Mit den meisten Musikinstrumenten wie Flöten, Streich- und Holzblas-Instrumenten, Klavier, Akkordeon u.a. lässt sich dieser Mangel beheben.

Musikerziehung zur Gewinnung neuer Freiräume

Alte Freiräume sind der Jugend verloren gegangen: Auf den Strassen herrscht der Moloch Verkehr, Plätze sind zu Parkplätzen geworden, Bäche wurden verbaut und sogar überdeckt, Wälder stecken voller Verbotstafeln. Durch das Musizieren aber können neue virtuelle Freiräume gewonnen werden.

Musik - Mittel zur Freizeitgestaltung

Wer musiziert, leidenschaftlich übt oder gar in einem Ensemble mitspielt, hat kein Freizeitproblem, sondern eher ein Zeitproblem. Musikerziehung ist darum heute zu einem Politikum und vielerorts zu einem Schwerpunkt der Jugendpolitik und nicht zuletzt der Drogenprophylaxe geworden.

Musikerziehung erhöht die Kulturfähigkeit des jungen Menschen

Wenn Musiklehrpersonen ihre Verantwortung wahrnehmen, so erfährt der Musikschüler im Musikunterricht eine eigentliche Geschmacksbildung. Es ist ein Phänomen der heutigen Zeit, dass man immer und überall der Beschallung mit mehr oder weniger erwünschter Musik ausgesetzt ist. Gewollt oder ungewollt wird stundenlang Musik gehört. Verantwortungsvolle Musikerziehung hilft ganz entscheidend mit, dass Jugendliche diese Musik-Flut nicht kritiklos über sich ergehen lassen. Sie erhalten gleichsam einen Filter, der ihnen hilft, gute von schlechter Musik zu unterscheiden.

Musik als Bildungsgut, Bildungsrecht und Bildungspflicht

Unsere europäische Musik ist ein Kultur- und Bildungsgut, das weit über tausend Jahre alt ist. Wenn unsere Jugend das Recht hat, dieses Kulturgut kennen zu lernen, so leitet sich daraus für den Staat auch eine Bildungspflicht ab. Der deutsche Philosoph und Musikpädagoge Heinz Antholz formuliert dieses Postulat wie folgt: «Musikalische Bildung als Ausbildung personaler Existenz und als sinnvoll disponiertes Kulturverhalten ist ein demokratisches Bürgerrecht.» Und noch einfacher formulierte es vor 200 Jahren Napoleon I.: «Die Musik hat von allen Künsten den grössten Einfluss auf das Gemüt, der Gesetzgeber sollte sie deshalb am meisten unterstützen.»


Und wer behauptet, dass ja Musik nur eine marginale Bedeutung habe und für die menschliche Existenz und den beruflichen Erfolg unwesentlich sei, dem sei das Wort Heinrich Pestalozzis entgegengehalten: «Wir haben kein Recht, das Kind von der Entwicklung einer einzigen Fähigkeit, auch nicht derjenigen, die wir augenblicklich nicht als sehr wesentlich für seinen Beruf betrachten, auszuschliessen.»

Alle diese Punkte lassen sich wie folgt zusammenfassen:

Menschen, die musizieren, kommen zum Atmen, zum Klingen, sie erreichen eine innere Ordnung und gelangen zu neuer Kreativität. Das intensive Musizieren verlangsamt die materialistische Geschäftigkeit und die umweltzerstörende Hektik. Es entstehen gleichsam Wohnstrassen des Lebens, die das mörderische Tempo der Selbstzerstörung drosseln. Und beim gemeinsamen Musizieren, wie es in den Ensembles gepflegt wird, stellt sich wieder jenes Gemeinschaftserlebnis ein, das durch den Egoismus und den beängstigenden Rückzug auf das Privatleben so sehr gefährdet ist.